Die Autorin knüpft an die Ausführungen ihres ersten
Buches. (Spracherwerbsstörungen, fünfte Auflage 1997)
an und stellt jetzt die Praxis der Erfassung und Therapie früher
Spracherwerbsstörungen vor.
Im Zentrum des ersten Teils des Buches steht die Beschreibung
der Übergänge von der einfachen Manipulation zum instrumentellen
Gebrauch der Gegenstände, von der Handlung zur Vorstellung
und von der vorsprachlichen Interaktion zum Selbstbewusstsein
und zur Sprache. Erstmals wird Schritt für Schritt aufgezeigt,
was das Kind in den verschiedenen Entwicklungsphasen mit den Personen
und Gegenständen tut, und gleichzeitig erklärt, welche
Entdeckungen zu diesen neuen Handlungs- und Kommunikationsweisen
führen.
Auf dieser Basis entwirft die Autorin eine entwicklungspsychologische
Sichtweise von sprachlicher Behinderung, in der nicht formale
Aspekte der Sprachproduktion, sondern der Sprachgebrauch und das
Sprachverständnis als Verbindung der Personen- und Gegenstandswelt
im Vordergrund stehen. Sie stellt ein Profil zur Erfassung früher
(Sprach-) Entwicklungsstörungen vor und zeigt auf, dass auch
schwere Behinderungen der Kommunikation in entwicklungspsychologischen
Begriffen beschrieben und verstanden werden können, und somit
auf die psychiatrische Terminologie verzichtet werden kann.
Die Leitidee des Buches folgt der Erkenntnis, dass jedes Kind
die spontane Tendenz hat, die Welt und somit auch die Sprache
selbst zu entdecken. Gegenstand der Therapie ist deshalb die Suche
nach dem Anknüpfungspunkt, damit sich diese Tendenz entwickeln
und entfalten kann.
Das therapeutische Konzept der Autorin wird durch ausführliche
Therapieberichte einzelner Kinder verdeutlicht, wobei Themen wie
Autismus, soziale Deprivation und sexuelle Misshandlung, Fremdsprachigkeit,
aber auch Gespräche mit den Eltern sowie institutionelle
Probleme zur Sprache kommen.