Luftverschmutzung hat eine lange Vorgeschichte. Sie trat nicht
erst im 19. Jahrhundert auf. Doch mit der Industrialisierung nahm
sie dramatisch zu und wuchs sich zur Plage aus. Entsprechend heftig
waren die Reaktionen und nicht minder groß die Unsicherheit.
Bedeuteten Rauch, Qualm und Gestank lediglich eine Belästigung
oder waren sie auch schädlich? Was ließ sich dagegen
tun?
Zu diesen Fragen äußerten sich Mediziner, Unternehmer,
Techniker, Wissenschaftler, Landwirte, Förster, Behörden
und nicht zuletzt die betroffenen Anwohner. Sie berichteten von
absterbenden Bäumen, zerstörter Vegetation und Gesundheitsschäden,
verfaßten Schriften, organisierten sich in frühen Bürgerinitiativen,
entwickelten zahllose Vorschläge, und selbst Tierversuche
wurden durchgeführt. Doch die praktischen Erfolge blieben
begrenzt. Die Befürworter einer rapiden Industrialisierung
setzten sich durch und mit ihnen eine Umweltpolitik, deren zentrale
Elemente bis heute gelten.
Viele dieser Ereignisse und Entwicklungen klingen vertraut, andere
muten exotisch an, und sie alle faszinieren noch heute. Das gilt
auch für die schon damals diskutierte Frage, was angesichts
der neuartigen Risiken zu tun sei. Diese Risiken betrafen nicht
nur die Umwelt. Vielmehr war die ganze Gesellschaft komplexen,
unüberschaubarer und risikoreicher geworden, und es galt,
neue Antworten zu finden.
Das Buch handelt von diesen Diskussionen und den Bemühungen,
etwas gegen die zunehmende Luftverschmutzung zu unternehmen. Es
beschreibt die Entwicklung in Deutschland mit einem Schwerpunkt
auf Preußen und stellt ausführlich exemplarische Konflikte
in Bamberg, Freiberg und dem Ruhrgebiet dar. Dabei entsteht eine
faszinierende, spannend formulierte Darstellung, die bahnbrechend
für die Umweltgeschichte ist und neue Zugänge zum 19.
Jahrhundert wie auch den gegenwärtigen Problemen eröffnet.